Was kostet eine Kaninchenpension eigentlich? Ein Blick hinter unsere Preise

Was kostet eine Kaninchenpension eigentlich? Ein Blick hinter unsere Preise

„Was kostet die Betreuung pro Tag?“

Vermutlich eine der ersten Fragen, wenn man eine Kaninchenpension sucht.

Und völlig zu Recht.

Interessanter ist aber eigentlich die Frage:

Was steckt in so einem Betreuungstag überhaupt drin?

Denn wenn man das Möhrchenhotel von außen betrachtet, könnte man zu einem relativ einfachen Ergebnis kommen:

Kaninchen rein.
Salat rein.
Kaninchen glücklich.
Fertig.

Ich wünschte, es wäre so. 😂

Tatsächlich steckt hinter einer professionellen Urlaubsbetreuung für Kaninchen und Meerschweinchen ein ziemlich großer organisatorischer, zeitlicher und finanzieller Aufwand. Vieles davon bekommt man als Gast überhaupt nicht mit.

Und genau deshalb möchte ich einmal zeigen, was hinter unseren Preisen im Möhrchenhotel eigentlich steckt.

Der offensichtlichste Posten: Futter

Fangen wir mit dem Teil an, den man tatsächlich sieht.

Futter. Und davon reichlich.

Wenn mehrere Kaninchen gleichzeitig zu Gast sind, verschwinden Salate, Kräuter und Gemüse in beeindruckender Geschwindigkeit.

Petersilie?

Weg.

Dill?

War schön, dich gekannt zu haben.

Salat?

Ich kaufe Mengen ein, bei denen Menschen an der Supermarktkasse gelegentlich anfangen, Fragen zu stellen.

Und nein, ich veranstalte kein Catering für eine Hochzeit mit 140 Gästen.

Das ist Dienstag.

Neben Frischfutter brauchen wir natürlich dauerhaft hochwertiges Heu, gegebenenfalls gewohntes Zusatzfutter und je nach Gast individuelle Futtermittel.

Dazu kommen Vorratshaltung, regelmäßige Einkaufsfahrten und die Zeit für Vorbereitung und Portionierung.

Denn ein Salatkopf entwickelt leider auch nach intensivem Zureden keine Beine und läuft selbstständig ins Gehege.

Einmal Hotelzimmer reinigen, bitte

Nach einem Aufenthalt kann nicht einfach das nächste Kaninchen einziehen.

Jedes Gehege muss gründlich gereinigt und für die nächsten Gäste vorbereitet werden.

Dazu gehören je nach Gehege und Nutzung unter anderem:

  • Einstreu und Verschmutzungen entfernen

  • Toiletten reinigen

  • Näpfe und Trinkgefäße reinigen

  • Flächen säubern

  • geeignete Bereiche und Gegenstände desinfizieren

  • Decken, Unterlagen und Textilien waschen

  • Einrichtung kontrollieren und gegebenenfalls austauschen

  • frische Einstreu und Heu einbringen

  • Gehege wieder vollständig vorbereiten

Das kostet Material.

Vor allem kostet es aber Zeit.

Und nein, Kaninchen haben leider noch nicht gelernt, ihr Zimmer bei Abreise besenrein zu übergeben.

Ich arbeite daran.

Desinfektion kostet ebenfalls Geld

Hygiene ist bei einer Tierpension kein Bonus.

Sie gehört zur Grundlage.

Wo verschiedene Tiere nacheinander untergebracht werden, müssen Krankheitserreger und Parasiten ernst genommen werden.

Deshalb benötigen wir geeignete Reinigungs- und Desinfektionsmittel und davon nicht gerade homöopathische Mengen.

Hinzu kommen Bürsten, Handschuhe, Tücher, Müllsäcke, Reinigungsgeräte und all die kleinen Verbrauchsmaterialien, über die niemand nachdenkt, bis man sie jeden Monat neu kaufen muss.

Und dann wäre da die Wäsche

Kaninchen und frisch gewaschene Textilien führen eine besondere Beziehung.

Ich wasche.

Das Kaninchen schaut.

Das Kaninchen pinkelt drauf.

Ich wasche wieder.

So funktioniert der Kreislauf des Lebens.

Im Möhrchenhotel fällt regelmäßig Wäsche an: Decken, Unterlagen, Handtücher und andere waschbare Materialien.

Damit entstehen Kosten für Wasser, Strom, Waschmittel und natürlich Verschleiß an Waschmaschine und Textilien.

Eine einzelne Wäscheladung wirkt finanziell unspektakulär.

Viele Wäscheladungen über ein ganzes Jahr sind es nicht mehr.

Wasser und Strom verschwinden ebenfalls nicht aus Höflichkeit

Auch eine Kaninchenpension braucht Infrastruktur.

Wasser wird zum Trinken, Reinigen und Waschen benötigt.

Strom brauchen wir unter anderem für Beleuchtung, Waschmaschine, Reinigungsgeräte und weitere technische Ausstattung.

In beheizbaren Gehegen kann auf Wunsch beziehungsweise bei entsprechender Notwendigkeit zusätzlich Wärme bereitgestellt werden.

Und natürlich kostet auch die Energie dafür Geld.

Die Steckdose akzeptiert bislang leider keine Erbsenflocken als Zahlungsmittel.

Ich habe nachgesehen.

Der überraschend große Punkt: Kaninchen produzieren Müll

Viel Müll.

Sehr viel Müll.

Wer zwei Kaninchen zu Hause hat, kennt bereits die Mischung aus Einstreu, Heu, Futterresten und dem Material, über das wir an dieser Stelle aus Gründen der Eleganz einfach nicht genauer sprechen.

Jetzt multiplizieren wir das mit mehreren Gehegen und ständig wechselnden Gästen.

Plötzlich hat man kein kleines Mülltütchen mehr.

Man hat ein logistisches Problem.

Verschmutzte Einstreu, Heureste und andere Abfälle müssen gesammelt, transportiert und ordnungsgemäß entsorgt werden.

Und irgendwann stand ich tatsächlich vor dem Punkt:

Ich brauche einen Anhänger. Für Kaninchenmüll.

Es gibt vermutlich Menschen, die kaufen sich einen Anhänger für Motorräder.

Andere transportieren Baumaterial.

Ich transportiere die Hinterlassenschaften von Mümmelmann & Co.

Jeder findet irgendwann seine Berufung.

Ja, der Anhänger gehört indirekt zur Preisgestaltung

Natürlich wird nicht einem einzelnen Gast plötzlich ein Anhänger auf die Rechnung geschrieben. 😂

Aber genau solche Investitionen gehören zu den Kosten, die bei einer vernünftigen Kalkulation berücksichtigt werden müssen.

Denn eine Tierpension benötigt Ausstattung.

Dazu gehören beispielsweise Gehege, Schutzhäuser, Zäune, Sicherungen, Transportmöglichkeiten, Reinigungsgeräte, Waschmöglichkeiten, Lagerflächen, Näpfe, Toiletten, Einrichtung und Werkzeuge.

Manches hält jahrelang.

Manches erstaunlicherweise ungefähr so lange, bis ein Kaninchen entscheidet:

„Das ist jetzt mein Projekt.“

Auch Reparaturen, Ersatz und laufende Instandhaltung gehören deshalb dazu.

Die Gehege entstehen und erhalten sich nicht von alleine

Ein großer Teil unserer Investitionen steckt direkt in den Unterkünften.

Gehege müssen gebaut, eingerichtet, gesichert, gepflegt und immer wieder verbessert werden.

Holz arbeitet.

Böden verschleißen.

Einrichtung wird angeknabbert.

Wetterschutz muss kontrolliert werden.

Zäune und Sicherungen müssen zuverlässig bleiben.

Und gelegentlich schaut man auf einen Bereich und denkt:

„Das könnte ich eigentlich noch schöner machen.“

Dieser Gedanke ist finanziell gefährlich.

Sehr gefährlich.

Sicherheit kostet Geld, obwohl im Idealfall nie etwas passiert

Das ist einer dieser Bereiche, bei denen man hofft, dass man ihn niemals wirklich braucht.

Trotzdem muss er da sein.

Sichere Gehege, zuverlässige Verschlüsse, Schutz vor Raubtieren, regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls technische Überwachung gehören für mich zu einer verantwortungsvollen Betreuung.

Denn „Bis jetzt ist noch nie etwas passiert“ ist kein Sicherheitskonzept.

Dann gibt es noch die Zeit, die niemand sieht

Das ist wahrscheinlich der größte Punkt überhaupt.

Betreuung besteht nicht nur daraus, morgens Futter ins Gehege zu legen.

Ein normaler Tag kann bedeuten:

Futter vorbereiten.

Füttern.

Wasser kontrollieren.

Gehege kontrollieren.

Tiere beobachten.

Kot und Fressverhalten im Blick behalten.

Saubermachen.

Medikamente geben.

Nach einem älteren oder auffälligen Tier noch einmal extra schauen.

Fotos oder Informationen an Besitzer schicken.

Wäsche starten.

Wäsche aufhängen.

Wäsche wegräumen.

Futter einkaufen.

Heu und Einstreu bestellen.

Müll sammeln.

Müll wegbringen.

Neue Gäste aufnehmen.

Check-in durchführen.

Abreisen organisieren.

Gehege nach einer Abreise grundreinigen.

Und dann steht irgendwo garantiert noch ein Napf, bei dem ich mich frage, wie zur Hölle dort schon wieder Heu drin gelandet ist.

Betreuung bedeutet auch Verantwortung

Dieser Punkt lässt sich schwer in Euro ausdrücken.

Wenn ihr eure Tiere bei mir abgebt, übernehme ich Verantwortung für Lebewesen.

Und zwar nicht nur während meiner persönlichen Wunsch-Arbeitszeiten.

Ein Kaninchen kann auch abends auffällig werden.

Oder am Wochenende.

Oder natürlich sonntags.

Es ist erstaunlich oft sonntags.

Wenn ein Tier plötzlich nicht frisst, sich anders verhält oder gesundheitlich auffällig wird, muss reagiert werden.

Dann ist es ziemlich egal, was ursprünglich für diesen Abend geplant war.

Professionelle Tierbetreuung bedeutet deshalb auch, verfügbar zu sein und Entscheidungen treffen zu können, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Kleine Kosten werden in der Summe ziemlich groß

Neben den offensichtlichen Dingen gibt es außerdem eine ganze Reihe kleinerer Kosten:

Versicherungen, Gebühren, Verbrauchsmaterialien, Wasser, Strom, Abfallentsorgung, Reinigungsmittel, Desinfektion, Einstreu, Heu, Reparaturen, Ersatzbeschaffungen, Waschmittel, Textilien, Fahrtkosten und vieles mehr.

Ein einzelner Müllsack macht keine Kaninchenpension teuer.

Ein einzelner Salatkopf auch nicht.

Eine Waschmaschine ebenfalls nicht.

Aber wenn man all diese Dinge über 365 Tage zusammenrechnet, sieht die Welt plötzlich etwas anders aus.

Und warum berechnen wir Betreuungstage so, wie wir sie berechnen?

Auch Anreise und Abreise verursachen Arbeit.

Das Gehege ist für diese Zeit reserviert und kann nicht gleichzeitig anderweitig vergeben werden. Das Tier wird versorgt, beobachtet und das Gehege anschließend gereinigt und vorbereitet.

Deshalb kann man bei der Kalkulation einer Tierpension nicht ausschließlich die Nächte zählen, wie man es vielleicht von einem Hotel für Menschen kennt.

Ein Kaninchen checkt schließlich nicht morgens aus, zieht seinen Rollkoffer zur Rezeption und hinterlässt mir fünf Euro Trinkgeld fürs Housekeeping.

Bedauerlicherweise.

Warum schreibe ich das überhaupt?

Nicht, weil ich mich für unsere Preise rechtfertigen möchte.

Sondern weil ich Transparenz wichtig finde.

Wenn man nur den Tagespreis einer Kaninchenpension sieht, sieht man eben nicht automatisch alles, was dahintersteht.

Man sieht den Salat.

Man sieht das Häuschen.

Man sieht vielleicht ein Foto von zwei Kaninchen, die ausgesprochen zufrieden in einem Heuberg sitzen.

Was man nicht sieht, sind die Wäscheberge.

Die Desinfektion.

Die Reparaturen.

Die Einkaufsfahrten.

Die Müllentsorgung.

Die Arbeitsstunden.

Die Investitionen.

Oder eine Frau mit einem Anhänger voller Kaninchenmist, die sich gelegentlich fragt, an welcher Kreuzung ihres Lebens sie eigentlich falsch abgebogen ist.

Wobei.

Wenn ich dann morgens ins Gehege komme und mir bereits mehrere Nasen entgegenkommen, weil offensichtlich seit mindestens 14 Minuten niemand Petersilie serviert hat, weiß ich ziemlich genau, warum ich das mache.

Was ihr mit dem Preis im Möhrchenhotel bezahlt

Ihr bezahlt bei uns deshalb nicht einfach einen Platz, auf dem euer Kaninchen für ein paar Tage sitzt.

Ihr bezahlt für die Versorgung, Unterbringung, Hygiene, Vorbereitung, Beobachtung, Infrastruktur und die Zeit, die notwendig ist, damit wir unsere Gäste vernünftig betreuen können.

Und ihr bezahlt auch dafür, dass jemand hinschaut.

Dass jemand merkt, wenn etwas anders ist.

Dass jemand das Telefon nimmt, wenn ein Tierarzt gebraucht wird.

Dass morgens, abends und zwischendurch jemand verantwortlich ist.

Das alles gehört für mich zu einer guten Kaninchenbetreuung.

Der Salat ist eigentlich nur der sichtbarste Teil davon.

Okay.

Der Salat und mein Anhänger voller Kacka.

🥕🐰