Was passiert, wenn mein Kaninchen in der Pension krank wird?

Was passiert, wenn mein Kaninchen in der Pension krank wird?

Es ist vermutlich eine der unangenehmsten Vorstellungen vor dem Urlaub:

Man selbst sitzt 800 Kilometer entfernt am Strand, auf einem Berg oder irgendwo mit einem Cocktail in der Hand – und ausgerechnet jetzt wird das Kaninchen krank.

Leider besitzen Kaninchen weder Respekt vor Urlaubsplänen noch einen Kalender.

Und wenn sie sich einen ungünstigen Zeitpunkt aussuchen können, nehmen sie ihn.

Gerne abends. Noch lieber am Wochenende.

Deshalb gehört für mich zu einer guten Kaninchenpension nicht nur die Frage, wie Tiere untergebracht und gefüttert werden.

Mindestens genauso wichtig ist:

Was passiert eigentlich, wenn etwas passiert?

Das Wichtigste zuerst: Wir schauen hin

Kaninchen sind Fluchttiere und können gesundheitliche Probleme lange erstaunlich gut verbergen.

Deshalb wartet man bei ihnen besser nicht darauf, dass ein Tier irgendwann mit einem kleinen Schild im Gehege sitzt, auf dem steht:

„Mir geht es übrigens seit gestern nicht gut.“

Oft sind es zunächst kleine Veränderungen.

Ein Tier kommt nicht wie gewohnt zum Futter.

Es sitzt plötzlich zurückgezogen.

Es bewegt sich weniger.

Die Körperhaltung verändert sich.

Der Kot sieht anders aus oder wird weniger.

Der Bauch wirkt auffällig.

Ein Tier kaut ungewöhnlich oder verweigert bestimmte Futtermittel.

Augen oder Nase verändern sich.

Oder es gibt einfach diesen Moment, in dem man denkt:

„Irgendwas ist anders.“

Genau deshalb besteht Betreuung im Möhrchenhotel nicht nur daraus, morgens und abends Näpfe aufzufüllen.

Die Tiere werden jeden Tag beobachtet.

Darum gibt es bei uns einen Check-in

Wenn ein Tier bei uns einzieht, schauen wir es uns zunächst an.

Dabei achten wir unter anderem auf den allgemeinen Pflegezustand und mögliche Auffälligkeiten an Augen, Nase, Ohren, Fell, Krallen und Körper.

Warum?

Weil ich wissen möchte, wie ein Tier bei mir angekommen ist.

Hat ein Kaninchen beispielsweise bereits bei der Anreise eine kleine kahle Stelle, möchte ich das dokumentiert haben.

Ist ein Tier altersbedingt etwas steif, sollte ich das wissen.

Hat es chronische Erkrankungen, bekannte Zahnprobleme oder andere Besonderheiten, gehören diese Informationen ebenfalls vor dem Aufenthalt besprochen.

So können Veränderungen während der Betreuung viel besser eingeordnet werden.

Und dann frisst plötzlich jemand nicht

Das ist bei Kaninchen einer dieser Sätze, bei denen meine Aufmerksamkeit ziemlich schnell von:

„Mal beobachten.“

zu:

„Okay. Was ist hier los?“

wechselt.

Fressunlust ist bei Kaninchen keine Kleinigkeit.

Der Verdauungstrakt ist darauf ausgelegt, kontinuierlich Nahrung aufzunehmen. Frisst ein Tier plötzlich deutlich weniger oder gar nicht, kann das unterschiedliche Ursachen haben und sollte ernst genommen werden.

Deshalb schaue ich nicht nur danach, ob irgendwo Salat verschwunden ist.

In einer Gruppe muss man schließlich auch wissen:

WER hat ihn gefressen?

Nur weil der Teller leer ist, bedeutet das nämlich noch lange nicht, dass jedes Tier daran beteiligt war.

Manchmal hat auch einfach Günther alles inhaliert und Herbert seit Stunden nichts angerührt.

Danke, Günther.

Köttel sind tatsächlich ziemlich wichtig

Ja.

Wir müssen über Köttel sprechen.

Wer Kaninchen betreut, kommt an diesem Thema nicht vorbei.

Menge, Größe und Beschaffenheit des Kots können wichtige Hinweise darauf geben, wie es einem Tier geht.

Wird plötzlich deutlich weniger Kot abgesetzt oder verändert er sich auffällig, schaue ich genauer hin.

Es gibt vermutlich Berufe, in denen Menschen morgens Aktienkurse analysieren.

Ich schaue mir Kaninchenköttel an.

Jeder hat seine Kernkompetenzen.

Nicht jede Auffälligkeit bedeutet sofort Tierklinik

Natürlich bedeutet nicht jede kleine Veränderung automatisch einen medizinischen Notfall.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Wie verhält sich das Tier?

Frisst es?

Wie sieht der Kotabsatz aus?

Wie ist die Körperhaltung?

Wirkt es aufmerksam?

Gibt es bekannte Erkrankungen?

Entwickelt sich die Auffälligkeit weiter?

Je nach Situation wird deshalb zunächst genauer beobachtet, Rücksprache mit den Haltern gehalten oder tierärztlicher Rat eingeholt.

Bei deutlichen oder akuten Auffälligkeiten wird aber nicht darauf gewartet, dass der Urlaub vorbei ist.

Wann werden die Besitzer informiert?

Grundsätzlich möchte ich die Halter über relevante gesundheitliche Auffälligkeiten ihres Tieres informieren.

Deshalb sind aktuelle Kontaktdaten bei der Buchung beziehungsweise beim Check-in so wichtig.

Idealerweise kann ich euch erreichen, die Situation erklären und das weitere Vorgehen abstimmen.

Aber:

Ihr seid im Urlaub.

Vielleicht sitzt ihr gerade im Flugzeug.

Vielleicht seid ihr wandern.

Vielleicht liegt euer Handy seit drei Stunden im Hotelsafe, weil ihr tatsächlich zu den beneidenswerten Menschen gehört, die im Urlaub ihr Telefon ignorieren können.

Ein krankes Kaninchen kann darauf unter Umständen nicht warten.

Was passiert, wenn ich euch nicht erreiche?

Genau deshalb sollten wichtige Dinge vor dem Aufenthalt geklärt sein.

Dazu gehören aktuelle Telefonnummern und möglichst eine zusätzliche Kontaktperson, die im Notfall erreichbar ist.

Außerdem sollten bekannte Erkrankungen, Medikamente und wichtige tiermedizinische Informationen angegeben werden.

Wenn eine Situation keinen Aufschub erlaubt, steht für mich aber eines im Vordergrund:

Das Wohl des Tieres.

Ein notwendiger Tierarztbesuch wird nicht deshalb verschoben, weil gerade niemand ans Telefon geht.

Und zu welchem Tierarzt geht es?

Wenn möglich und sinnvoll, können Informationen zur behandelnden Tierarztpraxis hilfreich sein - besonders bei Tieren mit bekannten Erkrankungen und einer bestehenden Behandlung.

Im akuten Fall muss allerdings auch berücksichtigt werden, welche kaninchenerfahrene Praxis oder Klinik erreichbar und geöffnet ist.

Denn auch hier gilt:

Der schönste Plan bringt wenig, wenn das Kaninchen Samstagabend um 21:14 Uhr beschließt, sich nicht daran zu halten.

Je nach Dringlichkeit muss dann die medizinisch sinnvolle und erreichbare Möglichkeit gewählt werden.

Was ist mit Medikamenten während des Aufenthalts?

Auch Tiere mit bestehenden Erkrankungen können unter bestimmten Voraussetzungen bei uns betreut werden.

Benötigt ein Kaninchen regelmäßig Medikamente, muss das allerdings unbedingt vor der Buchung beziehungsweise Anreise abgesprochen werden.

Ich muss wissen:

  • welches Medikament gegeben werden muss,
  • in welcher Dosierung,
  • zu welchen Zeiten,
  • wie es verabreicht wird,
  • warum das Tier es bekommt und
  • ob dabei Besonderheiten zu beachten sind.

Am besten sind Medikamente eindeutig beschriftet und die Anweisungen schriftlich hinterlegt.

Denn „die kleine weiße Spritze morgens, aber nur halb, außer dienstags“ ist zwar eine Information.

Eine gute Medikamentenanweisung ist es eher nicht. 😉

Was passiert nach einem Tierarztbesuch?

Mit dem Tierarztbesuch ist die Betreuung natürlich nicht plötzlich beendet.

Je nach Diagnose kann anschließend zusätzliche Versorgung notwendig werden.

Das können beispielsweise Medikamente, engmaschigere Beobachtung, Gewichtskontrollen oder andere vom Tierarzt angeordnete Maßnahmen sein.

Auch hier werden die Halter informiert und das weitere Vorgehen besprochen, soweit die Situation dies zulässt.

Und manchmal bedeutet das eben auch:

Noch einmal später am Abend ins Gehege.

Noch einmal kontrollieren.

Noch einmal schauen, ob gefressen wurde.

Noch einmal Köttel zählen.

Oder das bzw. die Tiere ziehen vorübergehend in meinem Bad ein,...

Und möglicherweise einem Kaninchen mit völlig unangemessenem Optimismus ein besonders schönes Blatt vor die Nase halten.

Was ist mit den anderen Kaninchen der Gruppe?

Auch die Partnertiere dürfen in so einer Situation nicht einfach vergessen werden.

Kaninchen sind soziale Tiere und eine Trennung kann zusätzlichen Stress verursachen.

Ob und wann Tiere voneinander getrennt werden müssen, hängt deshalb von der jeweiligen Situation und gegebenenfalls von der tierärztlichen Einschätzung ab.

Es gibt keine pauschale Lösung, die bei jeder Erkrankung und jeder Gruppe passt.

Deshalb wird auch hier individuell entschieden.

Wer bezahlt den Tierarzt?

Ein Punkt, über den man lieber vorher spricht als mitten in einem Notfall.

Tierarztkosten, Medikamente und gegebenenfalls weitere medizinisch notwendige Kosten, die während des Aufenthalts für ein Gasttier entstehen, werden grundsätzlich vom Tierhalter getragen.

Das ist auch einer der Gründe, warum wir entsprechende Regelungen und Kontaktdaten vor dem Aufenthalt benötigen.

Denn wenn ein Tier medizinische Hilfe braucht, möchte ich mich in diesem Moment um das Tier kümmern.

Nicht um die Frage, wer jetzt eigentlich welche Rechnung bezahlt.

Kann man verhindern, dass ein Kaninchen im Urlaub krank wird?

Leider nicht vollständig.

Auch ein vorher völlig unauffälliges Tier kann während eines Aufenthalts erkranken.

Aber wir können Risiken reduzieren.

Ein aktueller Impfstatus, eine gute Vorbereitung, vollständige Informationen über Vorerkrankungen, möglichst wenig unnötige Futterumstellungen und eine sorgfältige Beobachtung helfen dabei.

Und wenn euch vor der Anreise etwas auffällt:

Sagt es bitte.

Auch wenn es euch unwichtig vorkommt.

„Sie hat gestern ein bisschen weniger gefressen.“

„Er wirkt seit zwei Tagen ruhiger.“

„Die Köttel sind gerade etwas kleiner.“

„Sie hatte vor drei Wochen Zahnprobleme.“

Das sind Informationen, mit denen ich etwas anfangen kann.

Niemand bekommt dafür Ärger.

Ich stehe auch nicht mit verschränkten Armen an der Rezeption und vergebe schlechte Elternnoten.

Versprochen.

Warum mir dieses Thema so wichtig ist

Natürlich wünsche ich mir für jeden Gast im Möhrchenhotel einen Aufenthalt, bei dem das größte Problem darin besteht, dass Petersilie drei Minuten zu spät serviert wurde.

Aber Tierbetreuung bedeutet Verantwortung.

Und Verantwortung zeigt sich meiner Meinung nach nicht nur dann, wenn alles problemlos läuft.

Sondern gerade dann, wenn es das nicht tut.

Deshalb möchte ich Veränderungen früh bemerken.

Ich möchte wissen, was für das Tier normal ist.

Ich möchte die Halter erreichen können.

Und ich möchte im Ernstfall handeln können.

Denn wenn ihr eure Kaninchen oder Meerschweinchen bei mir abgebt, gebt ihr mir nicht einfach eine Transportbox mit zwei flauschigen Urlaubsgästen.

Ihr vertraut mir Lebewesen an, die zu eurer Familie gehören.

Und genau so behandle ich diese Verantwortung auch.

Mit Aufmerksamkeit.

Mit Erfahrung.

Mit ziemlich viel Petersilie.

Und falls nötig auch sonntagabends mit Autoschlüssel in der Hand.

🐰🥕❤️